Rock’n Groll: Der Tanz um vergangene Verletzungen
Befreien Sie sich von Groll: Die drei Schritte, mit denen Sie alte Kränkungen nachhaltig loslassen.
Vielleicht kennen Sie diese Situation: Ein Satz im Gespräch, ein bekannter Gegenstand, ein bestimmter Duft oder ein vertrauter Song, und sofort zieht Sie eine Erinnerung in die Vergangenheit. Der Körper wird unruhig, Gedanken beginnen zu kreisen, und der Groll über Vergangenes ist wieder präsent. Dabei wollen Sie loslassen – Sie haben das bereits viel reflektiert, verstanden, besprochen – und dennoch bleibt der Groll im Bauch und dieses Gefühl haftet.
Es braucht jedoch keinen heroischen Willensakt, um sich von altem Groll zu lösen. Es braucht drei klar umrissene Schritte, die Ihr Denken, Fühlen und Handeln wieder auf die Gegenwart und Zukunft ausrichten. Diese Schritte sind einfach zu verstehen, aber sie erfordern Übung.
Sie wirken, weil sie ansetzen an den Mechanismen, die Groll und Ärger aufrechterhalten:
- Grübeln
- die unerkannte Funktion des Grolls und
- ein Mangel an assertivem (= selbstbestimmtem), vorwärtsgerichtetem Handeln.
Ich habe schon mit sehr vielen Menschen gearbeitet, die mit chronischem Groll zu kämpfen hatten, denn es ist ein weitverbreitetes Problem. Zum Beispiel:
Und obwohl es den meisten dieser Menschen intellektuell klar war, dass es nicht gesund ist, in ihrem Groll zu verharren, konnten sie emotional einfach nicht herausfinden, wie sie diesen Groll loslassen und weitermachen konnten.
Hier stelle ich Ihnen 3 praktische Schritte vor, wie Sie Ihren (Rock’n) Groll hinter sich lassen und zu einem beschwingten Tänzchen der Freude übergehen können.
Von Rock’n Groll zum Freudentanz – 3 praktische Schritte, um Groll hinter sich zu lassen
Die drei Schritte im Überblick:
Im Folgenden vertiefen wir jeden Schritt mit präzisen Erklärungen, anschaulichen Beispielen und einer einfachen und praktischen Vorgehensweise.
Schritt 1: Betrachten Sie Groll als Verb, nicht als Nomen
Beachten Sie, dass Therapie eigentlich immer damit zu tun hat, die Vergangenheit hinter sich zu lassen.
Angenommen, Sie gehen die Straße entlang und hören ein Lied aus einem vorbeifahrenden Auto. Dieses Lied erinnert Sie an Ihren Vater, und daran, wie er Sie einmal, als Sie noch jung waren, verletzt hat. Wenn Ihnen diese Erinnerung in den Sinn kommt, ist es ganz natürlich, dass Sie einen Anflug von Trauer, Wut oder einer anderen schwierigen Emotion verspüren.
Wenn Menschen jedoch längerfristig Groll empfinden – insbesondere der chronischen Art – ist dies fast immer das Ergebnis einer mentalen Angewohnheit des Grübelns, d. h. des Verharrens in negativen und wenig hilfreichen Gedanken über die Vergangenheit: Sie spielen dann ein Ereignis immer und immer wieder in ihrem Kopf durch.
Groll erscheint oft wie ein Zustand, der über Sie kommt. Psychologisch betrachtet ist er jedoch meist das Ergebnis eines aktiven mentalen Prozesses:
Dem Grübeln = wiederholtem, unproduktivem Kreisen um Vergangenes.
Eine wichtige Unterscheidung
Es ist wichtig, den Unterschied zwischen einem Trigger (wie er zum Beispiel bei Trauma auftreten kann) und Grübeln zu verstehen.
Beachten Sie:
Trigger = momentaner Reiz mit unwillkürlicher Sofortreaktion des Nervensystems
Grübeln = verlängerte, selbstangetriebene Denkspirale.
Diese Unterscheidung ist befreiend. Denn allgemein gesprochen liegt bei bewussten Prozessen wie dem Grübeln zwischen Auslöser und Reaktion ein kurzer Moment, der Ihnen eine bewusste Wahl bietet. Wenn Sie lernen, diesen Entscheidungsraum wahrzunehmen, können Sie ihn nutzen und Ihre Aufmerksamkeit bewusst umlenken.
Ein praktisches Beispiel
Sie sind in der Stadt und sehen ein rotes Auto. Dieses erinnert Sie an einen Ex-Freund:in, von dem Sie sich nicht gewertschätzt gefühlt haben. Innerhalb von Sekunden bietet Ihr Verstand die gewohnte Gedankenspur an: Warum war das so? Wieso ist das mir passiert? Wie hätte ich mich anders verhalten sollen? Gerade hier liegt der Ansatzpunkt. Nicht beim auslösenden Ereignis, nicht bei der Erinnerung – sondern beim Einstieg in die Gedankenschleife.
Mit Ihrem gesteigerten Bewusstsein für diese inneren Prozesse, können Sie der Einladung widerstehen, in das Gedankenkarussel einzusteigen. Sie lenken Ihre Aufmerksamkeit auf das Jetzt und konzentrieren sich auf etwas anderes. So nutzen Sie das wunderbare Instrument Ihres Verstandes – anstatt sich von dem Instrument benutzen zu lassen. 🤪
Hilfreiche Haltung
Diese Haltung kann Ihnen dabei hilfreich sein, nicht in eine Ihrer Gedankenspiralen einzusteigen:
Umlenken bedeutet nicht Verdrängen. Es bedeutet Selbstmanagement, also auch Verantwortung für Ihre Gedanken zu übernehmen. Sie lenken Ihre Aufmerksamkeit und Energie in die Gegenwart, ohne die Vergangenheit zu leugnen. Und damit weg von etwas, das Ihnen nicht hilfreich ist, hin zu etwas Günstigerem.
Schritt 2: Erkennen Sie die Funktion hinter Ihrem Groll
Warum hält etwas an, das schmerzt? Es gibt zwei häufige Ursachen.
Hier finden Sie typische, sinnhafte Aufgaben von Groll:
Ergründem Sie die Funktion Ihres Grolls
Eine zentrale Frage, die Sie sich stellen können, ist folglich: „Wofür ist mein Groll noch nützlich?“ Antworten Sie ehrlich und freundlich. Sobald Sie die Funktion kennen, könen Sie beispielsweise Ihre zugrunde liegenden Bedürfnisse angemessen versorgen:
Ein Beispiel:
Wenn Ihr Groll Sie vor Traurigkeit schützt, ist die Lösung nicht, die Vergangenheit umzuschreiben, sondern Ihre Trauer dosiert zuzulassen – und parallel aktiv Ihre Gegenwartsnähe zu gestalten. Hilfreiche Schritte könnten sein:
Schritt 3: Leben Sie assertiv vorwärts (selbstsicher & selbstbestimmt)
Assertiv vorwärts zu leben bedeutet, respektvoll und klar zu benennen, was Sie wollen und was nicht – und entsprechend zu handeln. Wenn Bedürfnisse unausgesprochen bleiben, verhandelt die Vergangenheit stellvertretend für Sie. Die Erfahrung zeigt, dass es assertiven Menschen besser gelingt, vorwärts zu leben und Groll zu überwinden.
Vermutlich, weil sie sich Klarheit darüber verschaffen, was sie wollen, und den Mut entwickeln, es als Ziel zu verfolgen. Wer assertiv vorwärts lebt, handelt wie folgt:
Aber wer Angst hat, sein Leben selbstbestimmt vorwärts zu leben, dem bleibt nur die Vergangenheit. Dann denken Sie ständig über alte Ereignisse nach und wünschen sich, dass die Dinge anders gelaufen wären. Und dann bleiben Sie in Gedankenspiralen, Grübeln und dem damit verbundenen Groll stecken.
Sobald Sie jedoch beginnen, in die Zukunft zu leben – dem nachzugehen, was Sie sich wirklich vom Leben wünschen –, werden Sie feststellen, dass selbst große Verletzungen oder Enttäuschungen aus der Vergangenheit Ihre Aufmerksamkeit weit weniger in Anspruch nehmen.
Groll ist rückwärtsgewandte Energie. Ein selbstbestimmtes und selbstsicheres Leben richtet sich jedoch nach vorne aus. Wenn Sie beginnen, Wünsche zu äußern, Grenzen zu setzen und sich authentisch mitzuteilen, verschiebt sich die Relevanz: Die Gegenwart wird bedeutsamer als Ihre Vergangenheit. Sie erleben Selbstwirksamkeit—ein starkes Gegengift gegen Grübeln und Gedankenkreisel.
Warum diese drei Schritte wirken
Stolpersteine und hilfreiche Perspektiven
Es gibt auf gedanklicher Ebene Stolpersteine, die Sie vermeiden sollten. Manchmal ist das Problem nicht die Sache an sich, sondern unsere Sicht auf die Dinge. Hier finden Sie einige, gedankliche Schlussfolgerungen, die sich als hinderlich erweisen können, wenn Sie Ihren Groll überwinden möchten:
Woran Sie Fortschritt erkennen
Kurz und knapp: 3 klare Schritte für Ihren tragfähigen Weg aus dem Groll
Loslassen geschieht nicht auf Knopfdruck. Es ist eine Praxis, die aus drei Bewegungen besteht:
- Sehen Sie Groll als Verb (Aktivität), nicht als Nomen. Sie empfinden Groll, wenn Sie in Grübeleien über die Vergangenheit verfallen. Aber Grübeln ist eine Gewohnheit – und wie jede Gewohnheit können Sie sie ablegen.
- Um Ihren Groll loszulassen, müssen Sie verstehen, welche Funktion er hat. Die Gewohnheit, in Gedankenschleifen um Vergangenes einzusteigen, und der Groll, der daraus entsteht, erfüllen ein Bedürfnis in Ihnen. Wenn Sie herausfinden, welches Bedürfnis das ist, und es auf gesündere Weise befriedigen, können Sie Ihren Groll loswerden.
- Leben Sie Ihr Leben assertiv und selbstbestimmt. Je mehr Sie Ihr Leben vorwärtsgerichtet leben – indem Sie sich klar werden, was Sie wirklich wollen, und mutige, entschlossene Schritte in diese Richtung unternehmen – desto weniger werden Sie sich in Gedankenkarussells über die Vergangenheit verlieren.
Beginnen Sie klein, aber klar. Beständige Übung bringt Sie ans Ziel.#weilSieeswertsind
