Ein Mann und eine Frau in legerer Kleidung springen in die Luft und stehen sich vor einem türkisfarbenen Hintergrund gegenüber. Ihre dynamischen Posen fangen einen Moment des spielerischen Ärgers oder Grolls ein.

Rock’n Groll: Der Tanz um vergangene Verletzungen

Befreien Sie sich von Groll: Die drei Schritte, mit denen Sie alte Kränkungen nachhaltig loslassen.

Viel­leicht ken­nen Sie die­se Situa­ti­on: Ein Satz im Gespräch, ein bekann­ter Gegen­stand, ein bestimm­ter Duft oder ein ver­trau­ter Song, und sofort zieht Sie eine Erin­ne­rung in die Ver­gan­gen­heit. Der Kör­per wird unru­hig, Gedan­ken begin­nen zu krei­sen, und der Groll über Ver­gan­ge­nes ist wie­der prä­sent. Dabei wol­len Sie los­las­sen – Sie haben das bereits viel reflek­tiert, ver­stan­den, bespro­chen – und den­noch bleibt der Groll im Bauch und die­ses Gefühl haftet.

Es braucht jedoch kei­nen heroi­schen Wil­lens­akt, um sich von altem Groll zu lösen. Es braucht drei klar umris­se­ne Schrit­te, die Ihr Den­ken, Füh­len und Han­deln wie­der auf die Gegen­wart und Zukunft aus­rich­ten. Die­se Schrit­te sind ein­fach zu ver­ste­hen, aber sie erfor­dern Übung. 

Sie wir­ken, weil sie anset­zen an den Mecha­nis­men, die Groll und Ärger aufrechterhalten:

  1. Grü­beln
  2. die uner­kann­te Funk­ti­on des Grolls und 
  3. ein Man­gel an asser­ti­vem (= selbst­be­stimm­tem), vor­wärts­ge­rich­te­tem Handeln.

Ich habe schon mit sehr vie­len Men­schen gear­bei­tet, die mit chro­ni­schem Groll zu kämp­fen hat­ten, denn es ist ein weit­ver­brei­te­tes Pro­blem. Zum Beispiel: 

  • Söh­ne und Töch­ter (egal wel­chen Alters), die ihren Eltern vor­wer­fen, ihnen als Kin­der nicht genug Zunei­gung und Lie­be ent­ge­gen­ge­bracht zu haben.
  • Men­schen in Bezie­hung, die ihren Partner:innen vor­wer­fen, all die Opfer, die sie für sie gebracht hat­ten, nicht zu würdigen.
  • Berufs­tä­ti­ge, die ihren Kolleg:innen oder Vor­ge­setz­ten am Arbeits­platz Vor­wür­fe machen.

Und obwohl es den meis­ten die­ser Men­schen intel­lek­tu­ell klar war, dass es nicht gesund ist, in ihrem Groll zu ver­har­ren, konn­ten sie emo­tio­nal ein­fach nicht her­aus­fin­den, wie sie die­sen Groll los­las­sen und wei­ter­ma­chen konnten.

Hier stel­le ich Ihnen 3 prak­ti­sche Schrit­te vor, wie Sie Ihren (Rock’n) Groll hin­ter sich las­sen und zu einem beschwing­ten Tänz­chen der Freu­de über­ge­hen können. 

 Für jede Minu­te, die du wütend bist, ver­lierst du sech­zig Sekun­den Glück.

Ralph Wal­do Emerson

Von Rock’n Groll zum Freudentanz – 3 praktische Schritte, um Groll hinter sich zu lassen

Die drei Schrit­te im Überblick:

  • Schritt 1: Betrach­ten Sie Groll als Verb, nicht als Nomen.
  • Schritt 2: Erken­nen Sie die Funk­ti­on hin­ter Ihrem Groll.
  • Schritt 3: Leben Sie asser­tiv vor­wärts (selbst­si­cher & selbstbestimmt) 

Im Fol­gen­den ver­tie­fen wir jeden Schritt mit prä­zi­sen Erklä­run­gen, anschau­li­chen Bei­spie­len und einer ein­fa­chen und prak­ti­schen Vorgehensweise.

Schritt 1: Betrachten Sie Groll als Verb, nicht als Nomen

Beach­ten Sie, dass The­ra­pie eigent­lich immer damit zu tun hat, die Ver­gan­gen­heit hin­ter sich zu las­sen. 

Ange­nom­men, Sie gehen die Stra­ße ent­lang und hören ein Lied aus einem vor­bei­fah­ren­den Auto. Die­ses Lied erin­nert Sie an Ihren Vater, und dar­an, wie er Sie ein­mal, als Sie noch jung waren, ver­letzt hat. Wenn Ihnen die­se Erin­ne­rung in den Sinn kommt, ist es ganz natür­lich, dass Sie einen Anflug von Trau­er, Wut oder einer ande­ren schwie­ri­gen Emo­ti­on verspüren.

Wenn Men­schen jedoch län­ger­fris­tig Groll emp­fin­den – ins­be­son­de­re der chro­ni­schen Art – ist dies fast immer das Ergeb­nis einer men­ta­len Ange­wohn­heit des Grü­belns, d. h. des Ver­har­rens in nega­ti­ven und wenig hilf­rei­chen Gedan­ken über die Ver­gan­gen­heit: Sie spie­len dann ein Ereig­nis immer und immer wie­der in ihrem Kopf durch.

Groll erscheint oft wie ein Zustand, der über Sie kommt. Psy­cho­lo­gisch betrach­tet ist er jedoch meist das Ergeb­nis eines akti­ven men­ta­len Pro­zes­ses: 
Dem Grü­beln = wie­der­hol­tem, unpro­duk­ti­vem Krei­sen um Vergangenes.

Eine wichtige Unterscheidung

Es ist wich­tig, den Unter­schied zwi­schen einem Trig­ger (wie er zum Bei­spiel bei Trau­ma auf­tre­ten kann) und Grü­beln zu verstehen. 

  • Trig­ger: Ein kon­kre­ter Aus­lö­ser (z. B. Ton­fall, Geruch, Ges­te), der wegen frü­he­rer Belas­tun­gen dein Ner­ven­sys­tem blitz­schnell in Alarm­be­reit­schaft ver­setzt und eine auto­ma­ti­sche Stress‑ oder Angst­re­ak­ti­on aus­löst – oft sofort, manch­mal spä­ter. Häu­fig schwer wil­lent­lich zu steuern.
  • Grü­beln: Ein anhal­ten­der, pro­ak­ti­ver Denk­pro­zess, bei dem Sie wie­der­holt um Pro­ble­me krei­sen – oft ohne aku­ten Aus­lö­ser. Sie stei­gen men­tal ein, spie­len Sze­nen nach, ana­ly­sie­ren Moti­ve, ent­wer­fen Gegen­ver­sio­nen. Das ist ein Ver­hal­ten – und Ver­hal­ten kön­nen Sie trai­nie­ren und ändern.

Beachten Sie:

Die­se Unter­schei­dung ist befrei­end. Denn all­ge­mein gespro­chen liegt bei bewuss­ten Pro­zes­sen wie dem Grü­beln zwi­schen Aus­lö­ser und Reak­ti­on ein kur­zer Moment, der Ihnen eine bewuss­te Wahl bie­tet. Wenn Sie ler­nen, die­sen Ent­schei­dungs­raum wahr­zu­neh­men, kön­nen Sie ihn nut­zen und Ihre Auf­merk­sam­keit bewusst umlenken.

Zwi­schen Reiz und Reak­ti­on liegt ein Raum. In die­sem Raum liegt unse­re Macht zur Wahl unse­rer Reak­ti­on. In unse­rer Reak­ti­on lie­gen unse­re Ent­wick­lung und unse­re Freiheit.

Vik­tor Frankl

Ein praktisches Beispiel

Sie sind in der Stadt und sehen ein rotes Auto. Die­ses erin­nert Sie an einen Ex-Freund:in, von dem Sie sich nicht gewert­schätzt gefühlt haben. Inner­halb von Sekun­den bie­tet Ihr Ver­stand die gewohn­te Gedan­ken­spur an: War­um war das so? Wie­so ist das mir pas­siert? Wie hät­te ich mich anders ver­hal­ten sol­len? Gera­de hier liegt der Ansatz­punkt. Nicht beim aus­lö­sen­den Ereig­nis, nicht bei der Erin­ne­rung – son­dern beim Ein­stieg in die Gedankenschleife.

Mit Ihrem gestei­ger­ten Bewusst­sein für die­se inne­ren Pro­zes­se, kön­nen Sie der Ein­la­dung wider­ste­hen, in das Gedan­ken­ka­rus­sel ein­zu­stei­gen. Sie len­ken Ihre Auf­merk­sam­keit auf das Jetzt und kon­zen­trie­ren sich auf etwas ande­res. So nut­zen Sie das wun­der­ba­re Instru­ment Ihres Ver­stan­des – anstatt sich von dem Instru­ment benut­zen zu lassen. 🤪

Hilfreiche Haltung

Die­se Hal­tung kann Ihnen dabei hilf­reich sein, nicht in eine Ihrer Gedan­ken­spi­ra­len einzusteigen: 

  • Benen­nen: „Da ist ein Aus­lö­ser. Er will mich zum Grü­beln einladen.“
  • Nor­ma­li­sie­ren: „Mein Gehirn reagiert auto­ma­tisch auf den Reiz; die­ser auto­ma­ti­sche Impuls muss nicht nütz­lich sein, son­dern ist eine Gewohn­heit aus frü­he­ren Erfah­run­gen. Ich kann ihn wahr­neh­men, ohne ihm nachzugeben.“
  • Umlen­ken: „Ich wäh­le eine Hand­lung (oder einen Gedan­ken), die mir jetzt dient.“

Umlen­ken bedeu­tet nicht Ver­drän­gen. Es bedeu­tet Selbst­ma­nage­ment, also auch Ver­ant­wor­tung für Ihre Gedan­ken zu über­neh­men. Sie len­ken Ihre Auf­merk­sam­keit und Ener­gie in die Gegen­wart, ohne die Ver­gan­gen­heit zu leug­nen. Und damit weg von etwas, das Ihnen nicht hilf­reich ist, hin zu etwas Günstigerem. 

Schritt 2: Erkennen Sie die Funktion hinter Ihrem Groll 

War­um hält etwas an, das schmerzt? Es gibt zwei häu­fi­ge Ursachen. 

  • Sie las­sen die Ver­gan­gen­heit nicht los. Der Begriff „Los­las­sen“ wird dabei nach mei­ner Erfah­rung häu­fig miss­ver­stan­den. „Los­las­sen“ ver­mit­telt unter­be­wusst, es sei etwas Akti­ves, das Sie tun müs­sen. Um Erfah­run­gen aus Ihrer Ver­gan­gen­heit los­zu­las­sen, ist aber eher etwas Pas­si­ves erfor­der­lich. Näm­lich, dass Sie auf­hö­ren, dar­an fest­zu­hal­ten. Sie müs­sen also nichts tun, son­dern etwas las­sen: das Fest­hal­ten an etwas, das schon lan­ge vor­bei ist und in Ihrer Gegen­wart kei­ne Bedeu­tung mehr hat – außer Sie geben ihr immer wie­der pro­ak­tiv Bedeu­tung, indem Sie die Ver­gan­gen­heit ins Jetzt zerren. 
  • Der Schmerz hält an, weil Ihr Groll noch eine Funk­ti­on erfüllt oder einen Sinn für Sie hat. Wie­der­hol­tes Ver­hal­ten bleibt bestehen, wenn es (oft unbe­wusst) belohnt wird. Groll und Grü­beln sind sel­ten zweck- oder sinn­los – sie über­neh­men Auf­ga­ben für Sie. Auch wenn Sie sich des­sen viel­leicht nicht bewusst sind. 

Hier fin­den Sie typi­sche, sinn­haf­te Auf­ga­ben von Groll:

  • Schutz des Selbst­werts: Die Opfer­per­spek­ti­ve min­dert Schuld- und Scham­ge­füh­le, schwächt jedoch gleich­zei­tig Ihre Selbstwirksamkeit.
  • Ärger statt Trau­er: Wut hält Sie unter Span­nung und lässt Sie reagie­ren. Trau­er braucht das Zulas­sen von Gefüh­len – das macht Sie ver­letz­lich, ist aber heil­sam. Ihr Groll dient als Puf­fer, er dämpft, aber er schafft auch Distanz zu dem, was hei­len möchte.
  • Näh­ren einer Kon­troll­il­lu­si­on: Gründ­li­ches Ana­ly­sie­ren gibt Ihnen ein Gefühl der Kon­trol­le. Das Zer­le­gen jedes Details fühlt sich an, als hät­ten Sie das Steu­er in der Hand. In Wahr­heit blei­ben Sie im Hafen und legen nie ab – die Ana­ly­se ersetzt die Handlung.
  • Auf­schub: Die Beschäf­ti­gung mit Ver­gan­ge­nem erspart Ihnen Risi­ken in der Gegen­wart, vor denen Sie viel­leicht gro­ßen Respekt oder etwas Bam­mel haben. 
  • Bin­dungs­er­satz: Über geteil­te Pro­ble­me und gemein­sa­mes Jam­mern ent­steht Kon­takt und Ver­bin­dung. Die Bezie­hung wird jedoch dadurch nicht genährt und sie bleibt oberflächlich. 
  • Hin­weis auf Bedürf­nis­se: Groll kann auf dar­un­ter lie­gen­de, uner­füll­te Bedürf­nis­se hin­wei­sen. Wenn Sie her­aus­fin­den, wel­che es sind, kön­nen Sie sich um deren Erfül­lung kümmern. 
  • Pro­jek­ti­on: Wenn Sie Ihren Groll auf ande­re wer­fen, müs­sen Sie sich nicht anschau­en, wel­che Betei­li­gung Sie selbst am Gesche­hen hat­ten oder was bei Ihnen viel­leicht nicht im Lot ist, und folg­lich nichts ändern. Statt­des­sen kön­nen Sie über das Ver­hal­ten ande­rer kla­gen (und machen sich damit lei­der auch abhän­gig von ihnen!). 

Ergründem Sie die Funktion Ihres Grolls

Eine zen­tra­le Fra­ge, die Sie sich stel­len kön­nen, ist folg­lich: „Wofür ist mein Groll noch nütz­lich?“ Ant­wor­ten Sie ehr­lich und freund­lich. Sobald Sie die Funk­ti­on ken­nen, könen Sie bei­spiels­wei­se Ihre zugrun­de lie­gen­den Bedürf­nis­se ange­mes­sen versorgen: 

  • Selbst­wert stärken
  • Trau­er in geschütz­tem Rah­men zulassen
  • Rea­le Kon­trol­le durch kon­se­quen­tes Han­deln aufbauen
  • trag­fä­hi­ge For­men von Ver­bun­den­heit auf­bau­en und pflegen
  • Sich um Ihre Bedürf­nis­se küm­mern und Gren­zen setzen 
  • Selbst­wirk­sam sein, indem Sie die Ver­ant­wor­tung für Ihren Anteil an Gesche­he­nem übernehmen. 

Ein Bei­spiel: 
Wenn Ihr Groll Sie vor Trau­rig­keit schützt, ist die Lösung nicht, die Ver­gan­gen­heit umzu­schrei­ben, son­dern Ihre Trau­er dosiert zuzu­las­sen – und par­al­lel aktiv Ihre Gegen­warts­nä­he zu gestal­ten. Hilf­rei­che Schrit­te könn­ten sein: 

  • Ver­läss­li­che Bezie­hun­gen aufbauen
  • Trau­er und Trau­rig­keit im siche­ren Rah­men zulas­sen, ohne inne­re Zensur 
  • Kla­re Gren­zen setzen
  • Wohl­tu­en­de Rou­ti­nen etablieren
  • Acht­sam­keit üben 
Eine Landstraße kreuzt Bahngleise, die mit einem „STOP“-Schild und Warnschildern für Bahnübergänge gekennzeichnet sind. Im Hintergrund geht die Sonne unter und wirft einen warmen Schein auf die Szene, als ob die Natur selbst wüsste, wo Grenzen gesetzt sind.
Bild von ambro­zi­nio auf Depositphotos

Gesunde Grenzen setzen lernen

Was Sie über das Gren­zen set­zen wis­sen soll­ten in unter 10 Minu­ten, und war­um Sie Nein sagen üben sollten. 

Schritt 3: Leben Sie assertiv vorwärts (selbstsicher & selbstbestimmt) 

Asser­tiv vor­wärts zu leben bedeu­tet, respekt­voll und klar zu benen­nen, was Sie wol­len und was nicht – und ent­spre­chend zu han­deln. Wenn Bedürf­nis­se unaus­ge­spro­chen blei­ben, ver­han­delt die Ver­gan­gen­heit stell­ver­tre­tend für Sie. Die Erfah­rung zeigt, dass es asser­ti­ven Men­schen bes­ser gelingt, vor­wärts zu leben und Groll zu überwinden. 

Ver­mut­lich, weil sie sich Klar­heit dar­über ver­schaf­fen, was sie wol­len, und den Mut ent­wi­ckeln, es als Ziel zu ver­fol­gen. Wer asser­tiv vor­wärts lebt, han­delt wie folgt: 

  • Wenn Sie etwas wol­len, fra­gen Sie danach (auch wenn Sie sich dabei ner­vös oder unbe­hag­lich fühlen).
  • Wenn Sie etwas nicht wol­len, sagen Sie Nein (auch wenn Sie Angst haben, dass ande­re wütend, trau­rig oder schuld­be­wusst reagie­ren könnten).
  • Und wenn Sie etwas zu sagen haben, drü­cken Sie sich authen­tisch aus (auch wenn Sie Angst davor haben, was ande­re über Sie den­ken könnten).

Aber wer Angst hat, sein Leben selbst­be­stimmt vor­wärts zu leben, dem bleibt nur die Ver­gan­gen­heit. Dann den­ken Sie stän­dig über alte Ereig­nis­se nach und wün­schen sich, dass die Din­ge anders gelau­fen wären. Und dann blei­ben Sie in Gedan­ken­spi­ra­len, Grü­beln und dem damit ver­bun­de­nen Groll stecken.

Sobald Sie jedoch begin­nen, in die Zukunft zu leben – dem nach­zu­ge­hen, was Sie sich wirk­lich vom Leben wün­schen –, wer­den Sie fest­stel­len, dass selbst gro­ße Ver­let­zun­gen oder Ent­täu­schun­gen aus der Ver­gan­gen­heit Ihre Auf­merk­sam­keit weit weni­ger in Anspruch nehmen.

Groll ist rück­wärts­ge­wand­te Ener­gie. Ein selbst­be­stimm­tes und selbst­si­che­res Leben rich­tet sich jedoch nach vor­ne aus. Wenn Sie begin­nen, Wün­sche zu äußern, Gren­zen zu set­zen und sich authen­tisch mit­zu­tei­len, ver­schiebt sich die Rele­vanz: Die Gegen­wart wird bedeut­sa­mer als Ihre Ver­gan­gen­heit. Sie erle­ben Selbst­wirk­sam­keit—ein star­kes Gegen­gift gegen Grü­beln und Gedankenkreisel.

Warum diese drei Schritte wirken

  • Schritt 1 (Groll als Verb) stärkt Ihre prä­fron­ta­le Steue­rung und schwächt eine auto­ma­ti­sier­te Alarm­re­ak­ti­on. Das Benen­nen und Umlen­ken ver­grö­ßert Ihren Entscheidungsspielraum.
  • Schritt 2 (Funk­ti­ons­klä­rung) ent­zieht dem Ver­hal­ten die ver­deck­te Beloh­nung. Wenn das zugrun­de lie­gen­de Bedürf­nis ange­mes­sen erfüllt wird, ver­liert das Grü­beln an Reiz.
  • Schritt 3 (Asser­ti­vi­tät) erzeugt Erfah­run­gen von Ein­fluss und Kohä­renz. Das dämpft Ihre Grund­an­span­nung, sta­bi­li­siert das Ner­ven­sys­tem und redu­ziert die Nei­gung, in alte Gedan­ken­schlei­fen zurück­zu­fal­len oder einzusteigen. 

Stolpersteine und hilfreiche Perspektiven

Es gibt auf gedank­li­cher Ebe­ne Stol­per­stei­ne, die Sie ver­mei­den soll­ten. Manch­mal ist das Pro­blem nicht die Sache an sich, son­dern unse­re Sicht auf die Din­ge. Hier fin­den Sie eini­ge, gedank­li­che Schluss­fol­ge­run­gen, die sich als hin­der­lich erwei­sen kön­nen, wenn Sie Ihren Groll über­win­den möchten:

  • „Wenn ich los­las­se, gewin­nen die ande­ren.“ Los­las­sen ist kein Frei­spruch und bei den aller­meis­ten, zwi­schen­mensch­li­chen Din­gen geht es um Ver­bin­dung und nicht um Gewin­nen (lies dazu auch ger­ne über die Recht­ha­be­rei, als eine der ver­zerr­ten Denk­wei­sen). Beim Los­las­sen geht es statt­des­sen um Selbst­für­sor­ge. Sie erlau­ben sich, nega­ti­ve Gefüh­le aus der Ver­gan­gen­heit los­zu­las­sen, und set­zen dadurch viel gebun­de­ne Ener­gie frei. 
  • „Ich muss erst alles ver­ste­hen.“ Ver­ste­hen hilft, aber Ver­hal­ten ver­än­dert. Die meis­ten Pro­ble­me las­sen sich nicht weg-ver­ste­hen oder ‑den­ken. Begin­nen Sie mit klei­nen Hand­lun­gen, die einen Unter­schied machen.
  • „Es kommt immer wie­der hoch.“ Aus­lö­ser blei­ben. Die Kunst liegt nicht dar­in, die Aus­lö­ser zu besei­ti­gen, son­dern trotz Aus­lö­ser ein Umlen­ken zu üben. Übung bedeu­tet Wie­der­ho­lung; jede gelun­ge­ne Umlen­kung ist ein Fort­schritt und bringt Sie in Ihre Selbstwirksamkeit. 

Woran Sie Fortschritt erkennen

  • Der Abstand zwi­schen dem Aus­lö­ser und dem Ein­stieg in Gedan­ken­krei­sel oder Grü­beln wird Ihnen bewusst. Sie begin­nen, die­sen Raum für eine kla­re Ent­schei­dung zu nutzen. 
  • Die Dau­er der Gedan­ken­schlei­fen ver­kürzt sich.
  • Sie for­mu­lie­ren häu­fi­ger kla­re Bit­ten und respekt­vol­le Neins.
  • Gegen­warts­er­fah­run­gen wer­den leben­di­ger, die Ver­gan­gen­heits­bin­dung lockert sich.

Kurz und knapp: 3 klare Schritte für Ihren tragfähigen Weg aus dem Groll

Los­las­sen geschieht nicht auf Knopf­druck. Es ist eine Pra­xis, die aus drei Bewe­gun­gen besteht:

  1. Sehen Sie Groll als Verb (Akti­vi­tät), nicht als Nomen. Sie emp­fin­den Groll, wenn Sie in Grü­be­lei­en über die Ver­gan­gen­heit ver­fal­len. Aber Grü­beln ist eine Gewohn­heit – und wie jede Gewohn­heit kön­nen Sie sie ablegen.
  2. Um Ihren Groll los­zu­las­sen, müs­sen Sie ver­ste­hen, wel­che Funk­ti­on er hat. Die Gewohn­heit, in Gedan­ken­schlei­fen um Ver­gan­ge­nes ein­zu­stei­gen, und der Groll, der dar­aus ent­steht, erfül­len ein Bedürf­nis in Ihnen. Wenn Sie her­aus­fin­den, wel­ches Bedürf­nis das ist, und es auf gesün­de­re Wei­se befrie­di­gen, kön­nen Sie Ihren Groll loswerden.
  3. Leben Sie Ihr Leben asser­tiv und selbst­be­stimmt. Je mehr Sie Ihr Leben vor­wärts­ge­rich­tet leben – indem Sie sich klar wer­den, was Sie wirk­lich wol­len, und muti­ge, ent­schlos­se­ne Schrit­te in die­se Rich­tung unter­neh­men – des­to weni­ger wer­den Sie sich in Gedan­ken­ka­rus­sells über die Ver­gan­gen­heit verlieren.

Begin­nen Sie klein, aber klar. Bestän­di­ge Übung bringt Sie ans Ziel.#weil­Sie­es­wertsind


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